Alles wie alle Anderen? Zeigen von Haben?
Oder doch lieber Ausdruck von individuellem Sein?

In seiner Jugend hat Gerhard Eichweber Schmuck selbst gestaltet und angefertigt. Immer wieder skizzierte er während des Schulunterrichts die Objekte, die ihm als Geschenke durch den Kopf gingen. Irgendwann kaufte er dann das Material, sägte, kantete und bog, feilte, lötete und schliff, bis die gewünschten Proportionen und Effekte erzielt waren.

Den Anfang machte Holz. Meist aber handelte es sich um Silberschmuck, der allenfalls neben Form und Textur durch Rhodinieren zusätzliche Kontraste erhielt. So entstanden Anhänger, Broschen, Colliers und Manschetten-Knöpfe.
Lauter Geschenke, deren Wert sich, neben der Einzigartigkeit,
aus dem Eingehen auf die damit bedachte Person ergibt.

Mitte der neunziger Jahre wandte Gerhard Eichweber sich erneut der Gestaltung von Schmuck zu. Diesmal angeregt durch Dialoge im Freundeskreis, als Redesign vorhandener, aber lieblos unpassender Schmuckstücke, deren Wert sich auf ihren teilweise beträchtlichen Materialwert beschränkte. Durch Zerlegung und Neukombination nach seinen Entwürfen entstanden Stücke,
die exakt zur Trägerin passen, und als Unikate nun nachhaltige Freude bereiten.

Collier mit Smaragd etc.

Gerade bei Schmuck geht es um die Person, die ihn tragen soll – erst recht bei Geschenken! Um so mehr nimmt es Wunder, wie viel Juwelen sich auf die teure Addition quantitativer Werte beschränken, ohne schön zu sein – geschweige denn auf die Persönlichkeit der Person einzugehen, die den Schmuck tragen soll oder wenigstens eine persönliche Note des Juweliers aufzuweisen. Neureiches 08-15 bleibt geschmacklos, auch wenn die darin verarbeiteten Materialien noch so teuer sind.

Etwas kreativer ist es bei der Goldschmiedekunst, die mehr mit dem Material arbeitet und von da her dem Design als Ausdrucksmittel näher kommt. Aber auch in dieser Branche erkennt man meist bereits bei erster Annäherung an ein Schaufenster, ob es sich darin um etwas einzigartiges oder um Massenware handelt, deren Wert sich aus den Materialkosten ergibt. Wilm in Hamburg und Mrochen in Braunscheig standen resp. stehen für solche Eigenständigkeit. Und in mancher anderen Stadt Europas gibt es einen oder mehrere derart eigenständige Anbieter. Im Gegensatz zu Tiffany's in New York, wo man auf Eigenständiges nur durch Suchen stösst.

Oft kommt es vor, daß Frauen mit in aller Eile gekauftem, oftmals sehr teurem, aber gleichwohl nicht zu ihnen passendem Schmuck bedacht werden. Als Trostpflaster gedacht, stellt sich spätestens dann ein Missfallen ein, wenn die Anlässe für solche teuren Geschenke sich gehäuft haben, und die Stücke nach einer Trennung nur noch negative Erinnerungen auffrischen.

Da Schmuck beim Verkauf meist nur ein Bruchteil seines ursprünglichen Preises wert ist, ergibt sich hier die Alternative, den teuren "Schrott" auseinander zu brechen und daraus neue, nunmehr individuell zur Trägrin passende Schmuckstücke zu kombinieren.

Bleibt anzumerken, daß Gerhard Eichweber neuen Schmuck sicher nie so gestaltet hätte, wie die Ergebnisse seiner Umarbeitungen, weil es ihm nie eingefallen wäre, derart teure Steine zu verarbeiten. Schliesslich gibt es andere Ausdrucksmittel, bei denen sich die aus der Industrie bekannte Regel bestätigt, daß Preise und Kosten nichts miteinander zu tun haben, solange die Erzeugnisse auf Wesen und Präferenzen von Kunden eingehen.

Wo teure Juwelen aber nun einmal vorhanden sind und die besonderen Steine nur durch ihre Einzingelung durch Brillanten gar nicht zur Geltung kommen, ist Abhilfe einfach: Die Person kennen und aus den Einzelteilen neue, passende Stücke kombinieren. Zunächst im Kopf. Dann mit Bleistift und Papier und schliesslich im Dialog mit einer ausführenden Fach-Person.

Während Gerhard Eichweber diese Idee gelegentlich spontan als Freundschaftsdienst praktiziert, stellt sich dieses Konzept als nenneswertes potentielles Geschäftsfeld für Schmuckdesigner und Goldschmiede dar. Jedenfalls so lange geschiedene Frauen nur auf quantitative Kriterien fixierter Männer einen nicht versiegenden Markt konstituieren.

Opal