Praxis, Theorie, Denken und Denkselbständigkeit:
Bodenständigkeit und Innovationen

Gerhard K. Eichweber wuchs im Haushalt des Erfinder-Unternehmers Kurt Eichweber und der Kauffrau Herta Eichweber, geb. Biesterfeldt, auf. Nach dem Kriege hatten diese geheiratet und sich auf elterlichen Land in Hamburgs Elbvororten in Eigenhilfe ein Behelfsheim gebaut.

Nach Gründung des elterlichen Unternehmens, dessen "Betrieb" anfangs quasi "vom Küchentisch" aus erfolgte, koordinierte Kurt Eichweber zunächst die Fertigung von Ersatzteilen für britische, amerikanische und französische Besatzungs-Truppen. Da dies die Nachfertigung technischer Komponenten und Systeme, vom Scheibenwischermotor bis zum Fluginstrument, "nach Muster" erforderte und dem Unternehmer die Garantie-Gewährung oblag, verbesserte der Vater die Konstruktionen, bevor er die Fertigung der Einzelteile bei mittelständischen Betrieben plazierte, bei denen er die geeigneten Maschinen der erforderlichen Qualität verfügbar wußte.
So erlebte der junge Sohn von Anfang an die techischen Verbesserungs-Prozesse mit und begleitet den Vater zu Terminen, wenn die Mutter krankheitshalber für längere Zeiten abwesend war.

Aus dieser Zeit der ersten Besuche feinmechanischer Werkstätten erinnert Gerhard K. Eichweber nicht nur deren vertrauten Geruch, sondern auch den erläuternden Vergleich des Vaters von Geld, als "nur ein Betriebsmittel", mit der Kühlflüssigkeit, die in Dreh- und Fräsbänken die Stähle kühlte:
"Niemand betreibt eine Fräsbank, um die Bohrmilch zu riechen, sondern wegen der Sachen, die damit erzeugt werden.
Und so, wie die Bohrmilch, dient auch Geld nur als Betriebsmittel. Geld ist eine Verpflichtung, um damit etwas sinnvolles zu erzeugen und Arbeitsplätze zu schaffen!"

Auch die räumliche Nähe zu Großeltern und deren Fuhrunternehmen mit vielen Pferden und Wagen bot reichlich Bezüge zu ebenso bodenständigem wie stolzem, alles Leid möglichst mit Humor tragendem Leben.

Bauen und Landwirtschaft, Handwerk, Werkzeugmaschinen und erste Kreationen

Nach dem Umzug in das erste "richtige" Haus der Familie, im Alter von inzwischen 5 Jahren, hatte Gerhard Eichweber bei Um- und Anbauten des Elternhauses immer wieder Gelegenheit, als aufmerksamer kindlicher Beobachter der Fach-Handwerker, deren Arbeit und Handgriffe zu verinnerlichen, was ihn später "aus dem Stand" zur fachgerechten Ausführung aller möglicher Bauarbeiten, wie beispielsweise des Einbaus eines Bades, dem Mauern und Fliesen innovativer Badewannen etc. befähigt hat, ohne daß irgend ein Handwerker benötigt worden wäre.
Ähnlich verhält es sich mit händischen landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die er infolge häufiger Verschickung zur Behandlung seiner langjährig immer wiederkehrenden Lungenkrankheit auf einem Bauernhof auf der Nordseeinsel Föhr ebenso erlernt hat, wie das obligatorische "Trekkerfahren" und Arbeiten mit Landmaschinen. So ranken sich einige Anekdoten um die Verblüffung späterer Gastgeber, wenn er ihnen das Schärfen und Mähen mit der Sense nicht nur zeigte, sondern das Mähen nach Ablegen der Kravatte auch kurzerhand für sie erledigte. Das elterliche Unternehmen war derweil um ein kleines Konstruktionsbüro in einem Holzhaus im Garten ausgeweitet worden. Hier entstand auch die improvisierte Konstruktion, dank der, durch rotierende Radar-Reflektoren auf einem Auto-Gepäckträger, die Radarfallen in Hamburg wegen ihrer Störbarkeit für viele Jahre abgeschafft worden sind, nachdem Helmut Schmidt Innensenator geworden war.

Mit der Anmietung erster Betriebsräume in Hamburg Bahrenfeldt, war auch Gerhard Eichweber bereits so alt, daß er an Wochendenden mit dem Fahrrad "in den Betrieb" fahren konnte, um sich dort mit all den reichlich vorhandenen Werkzeugen und Maschinen etwas zu basteln. Beispielsweise Schachfiguren auf einer Drehbank, wofür er kurzerhand einen Besenstil zersägte. Da er aber nach einigen solchen Wochenend-Basteleien bei den letzten dieser Figuren eine für einen Serienstart am folgenden Montag fertig eingerichtete Drehbank requiriert hatte, wurde Gerhard für alle zukünftigen derartigen Kreationen und ihre Realisierung an den Lehrlings-Meister Fritz Quade als Ansprechpartner verwiesen, der ihn gern unter seine Fittiche nahm.
So entstand alsbald ein fahrbarer Grilltisch mit stufenloser Höhenverstellung des Grillgutes, Hierzu lernte der junge Schüler "richtig" Feilen, Drehen, Schweißen, sauber Löten und so fort. So erhielten die Eltern zu Weihnachten einen Grill, der Jahrzehnte später seine fast genaue Nachahmung durch ein Produkt des Designers Burkhard Vogtherr für Rosenthal erfuhr - wie übrigens auch Vogtherr's Sesselserie "Hombre" sozusagen eine späte Realisierung von Jugend-Entwürfen Gerhard Eichweber's war, der später als Designer allerdings weniger Möbel und Wohn-Accessoires, als vielmehr komplexe technische Systeme und deren ergonomische Mensch-Produkt-Beziehungen als Corporate Design-Aufgaben bearbeitet hat. Innovationen liegen halt immer "in der Luft" , oder, anders ausgedrückt: Man kann auch als Jugendlicher früh seiner Zeit voraus sein.
Früh der Zeit weit voraus war Gerhard K. Eichweber, teils gemeinsam mit seinen Brüdern, auch mit Entwürfen eines als Hovercraft am Boden resp. auf Wasser beweglichen gigantischen Nurflügel-Flugzeugs, die im Wochenendhaus der Familie in der Wilstermarsch entstanden. Nach wie vor unrealisiert ist diese Erfindung eines 3-phasigen Überganges zwischen Fliegen, Landen resp. Starten (Groundfeffekt) und Schweben auf einem Luftkissen.Und auch all dies stets im direkten Praxis-Bezug einer sehr bodenständigen Realität.

Störort* – Ein Ferien- und Wochenend-Haus als prägender Einfluß

Die Lage im Aussendeichgebiet, auf einer Warft, im Mündungsbereich der Stör in die Elbe, ohne Elektrizität und Telefon, erlaubte so - und wieder anders - vielfältige Erfahrungen im Umgang mit der Natur und ihren Gewalten zu sammeln.

Immer wieder konnten Sturmfluten, welche bei Eisgang auf der Elbe das Packeis auf dem Deichvorland verstreuten, den Zugang zum 2 km vor den Deichen auf einer Warft gelegenen Haus erschweren, aber nicht unterbinden. Wenn nicht auf dem Landwege, dann übers Wasser.

Nachdem Gerhard Eichweber anfangs - mit ca. 12 Jahren - einhand mit dem elterlichen Segelboot unterwegs gewesen war und die Stör als nächster Weg zum Haus auch bei Sturm anfangs immer mit dem Ruderboot überquert worden war, erlaubten Kajaks, direkt durch die Wellen zu schneiden und besser gegen den Wind anzukommen.

Aber auch Innovationen entstanden im Einfluss dieses naturverbundenen Aufwachsens. So haben Beobachtungen und Besuche des seinerzeit in Lübeck entstandenen Hamburger Seefahrtschule und erwarb gleichzeitig mit dem Führerschein für Automobile das Patent des Sportseeschiffers, welches zum Führen von Yachten mit bezahlter professioneller Besatzung berechtigt.

Infolge seiner langjährigern Atemwegserkrankungen während der Jugend und der langen Schulausfälle, die ihn an der Teilnahme an Aufnahmeprüfungen zu weiterführenden Schulen gehindert hatten, besuchte Gerhard Eichweber von 1963 - 69 eine Privatschule in Hamburg und erwarb auf dem sog. zweiten Bildungsweg zunächst die mittlere Reife und dann das Abitur. Zu den verschiedenen Mitschülern aus der norddeutschen "Gesellschaft" gehörte, wegen seines distinguierten Auftretens und seines couragierten Einsatzes gegen Unrecht, als eine Art "Role-Model", auch Ulrich Wessel, der später durch seine Rolle als Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) traurige Berühmtheit erlangte, nachdem er die Stockholmer Botschaft für seine Komplizen von innen geöffnet hatte und dort mit einer Handgranate umkam.

Störort war der Ruhe- und Arbeits-Pool in jener glücklichsten Zeit der Familie Eichweber und ihres Umfeldes

Das gerade rechtzeitig vor der Flutkatastrophe 1962 in Eigenhilfe renovierte Haus an der Mündung der Stör in die Elbe musste später einem auch nach Meinung führender Gutachter, insbesondere auch der Professoren Hensen und Kamphausen, völlig wiedersinnig geplanten, aber politisch und mittels der Medien rabiat durchgesetzten Sperrwerk weichen.

Einmal mehr bewahrheitete sich schon damals, was Barbara Tuchmann zum Inhalt all ihrer Geschichts-Studien machte: Zum Zeitpunkt der Entscheidungen war klar, daß sie falsch und ausgesprochen kontraproduktiv waren. Ferner waren Alternativen bekannt und ihre Machbarkeit war bewiesen. Aber noch so viel Vernunft half nichts. Der "politische Wille" war stärker.

Professor Walter Hensen äußerte damals, als er erfuhr, wer der Planer war: "Das war der schlechteste Student, den ich je hatte! Ich hätte nie gedacht, daß der je beim Staat eine Anstellung finden würde ..."

Inzwischen wissen auch die Dümmsten, daß es nicht reicht, gegen Sturmfluten Barrieren zu bauen. Hochwasser benötigen die natürlichen Auen-Landschaften der Vor-Deich-Gebiete, die als Expansions-Becken dienen.

Aber das Störsperrwerk steht seither und wird aus gutem Grund nicht geschlossen, während vom einstigen Kleinod nur der Name blieb. Das Wort Ensemble-Schutz gab es im deutschen Recht noch nicht. Die meisten Urheber in Politik und Ämtern sind längst vergessen. Aber die Folgen sind fortdauernd. Nicht jede Langfristigkeit ist auch nachhaltig.




Umsicht,
Übersicht,
Weitsicht

Handwerkliche Fertigkeiten bäuerliche Tätigkeiten, Einmachen und Kochen, gehören ebenso zum Leben, wie essen und trinken.

Die Bewegung im und auf dem Wasser, genau wie auf dem Lande, darf nicht nur bei schönem Wetter beherrscht werden.

Zur Eigenverantwortung gehören Vigilanz und Umsicht ebenso, wie Voraussicht und die stete Bereitschaft schnell und umsichtig einzugreifen.

Erst auf dieser Basis ist auch das denkselbständige Sehen, Urteilen und Theoretisieren in der Lage, Probleme in ihrer Totaliät zu verstehen und sie nachhaltig zu lösen.

Gerhard K. Eichweber